Entwicklung Geocaching – Geocaching vor 10 Jahren und Geocaching heute (2017)

Geocaching vor 10 Jahren und Geocaching heute (2017)

Ich erinnere mich noch zurück an den Abend, an dem ich das erste Mal überhaupt mit diesem Hobby konfrontiert wurde bzw davon hörte. Das Datum und den Ort weiß ich natürlich nicht mehr genau, aber es war 2007 irgendwo in einer Kneipe in Burglengenfeld und einer in der Runde fragte, ob man denn nicht mal Lust hätte auf eine Schatzsuche als Nachtwanderung. Ich war sofort hellauf begeistert und wollte da unbedingt mitgehen und so war es auch. Natürlich hatte ich null Ahnung, was mich erwartete noch hatte ich überhaupt eine Ahnung, wie das funktioniert und Outdoor-Kleidung war für mich zu der Zeit noch ein Fremdwort. Aber völlig egal. Wir haben das dann gemacht in großer Runde und es war der Cache „Forest oft he horned demon“ (http://coord.info/GCNJGX). Dass man dann zum Loggen auch noch einen Account braucht, wusste ich zu dem Zeitpunkt auch nicht und hab auch damit gewartet. Irgendwann später habe ich mir dann auch mal ein Garmin-GPS gekauft und zwar das Garmin etrex venture HC (auch liebevoll „Willi“ von mir genannt) und mir auch einen Account (Partner-Account, also 2 Leute ein Account) zugelegt. Diesen originalen Account habe ich dann jemanden übertragen und mir später einen neuen eigenen angelegt…

Tja und wenn ich mich zurückerinnere an damals, das war noch so ganz anders als es heute ist. Und warum es so anders ist, will ich euch gerne näher bringen.

Fangen wir mal mit der Technik an:

Meine damalige Technik war wie gesagt ein Garmin etrex venture HC. Dieses hatte gerade mal 20 MB internen Speicher, keine SD-Karte, war aber robust und hatte einen sehr guten Empfang. Aber der kleine interne Speicher bedeutete, dass man sich vor einer Reise in eine andere „Zone“ schon mal einen anderen Quadranten drauf laden muss, weil man sonst ohne Karte navigieren musste. Das war nicht immer schön, aber das war eben damals die Vorgehensweise. Man konnte sich dann auch schon über Browser-Addins von Garmin die Caches direkt aufs GPS spielen, aber eben einzeln. War mühsam.

Irgendwann kamen dann auch mal so Geräte auf den Markt wie T-Mobile MDA Vario. Diese hatten zwar kein GPS, aber man konnte sie mit einer Bluetooth-GPS-Maus erweitern / koppeln und man konnte dann sogar mit GPRS (WAP) online Caches ansehen, aber das war ziemlich teuer und war nur im Notfall eine Option. Irgendwann kam dann mal das Garmin Oregon 450t und das war schon eine großer Erleichterung und ein großer Sprung. Und seit es dann die Smartphones mit GPS-Modul gibt und Akku-Packs gibt, ist man beim Cachen total flexibel und das „paperless Caching“, wie man es früher praktiziert hat bzw. praktizieren musste, stirbt immer mehr aus. Hat Vor- und Nachteile.

Das Mengenverhältnis Cacher / Muggle:

Wie immer am Anfang wird etwas neues mit Mundpropaganda bekannt gemacht und 2007 war es vielleicht so, dass auf 100 Menschen ein Cacher kommt und vielleicht 2 von den 100 mal davon gehört. Heute hat sich dieses Verhältnis drastisch geändert!

Die Cache-Dichte und -beschaffenheit:

Ich kenne es noch so und ich erzähle es auch immer wieder gerne so, dass man z.B 2008 noch richtig weit und viel fahren musste, wenn man mal 5 oder 6 Caches an einem Tag machen wollte. Ich erinnere mich noch sehr gut an die Igelrunde in Sulzbach-Rosenberg. Das waren 6 Tradis und Bonus, also 7 Caches am Tag und auf dem Weg dahin hatte ich auch noch 2 oder 3 Tradis auf dem Garmin. Also 10 (in Worten „Zehn“!!!) Caches am Tag. Das war wie Weihnachten und Geburtstag zusammen! Heutzutage schafft man das, wenn man will auf 1,7 Kilometer Wegstrecke innerhalb von 15 Minuten oder weniger… Dazu später mehr.
Zu meinen Anfangszeiten habe ich eigentlich nur Small oder größere Boxen gefunden und diese hatten eigentlich so gut wie immer ein schönes Rätsel als Grundlage oder einen schönen Ort. Die ausgefallenen und bastelaufwendigen Caches kamen erst viel später dazu.

Die Cacher-Mentalität:

Was sich am meisten verändert hat, ist die Denke und das Herangehen an die Caches und die Erwartungen der Cacher und meiner Meinung nach auch der Umgang untereinander. Früher war es noch so, dass man natürlich weniger Caches machen konnte, weil weniger auf der Karte waren… Also nahm man sich auch Zeit, zum Cache etwas zu erzählen und wenn es nur war, wie das Wetter / der Tagesablauf / die Stationen bei diesem Cache war, oder was man erlebt hat, oder wie es einem gefallen hat, oder ob man schon mal hier war, oder so viele andere Sachen, die man in einen Log reingepackt hat. Und für mich ist und bleibt es so, dass eine gewisse Länge im Logtext auch mit Respekt und Anerkennung zu tun hat. Die Cacher, die nur TFTC schreiben, gehen mir ehrlich gesagt am meisten auf den Sack! Ja ich weiß, dass man laut den oft zitierten (ach so tollen) Guidelines sogar nur mit einem Punkt loggen müsste und TFTC ja schon ein ellenlanger Text ist. Leute, die mit Guidelines daherkommen, gehen mir sogar noch mehr auf den Sack! ABER: Geocaching lebt nun einmal vom Miteinander und vom gegenseitigen Respekt. Und auch wenn man „nur“ einen gescheiten Micro versteckt hat, kann der Ort schön sein, an dem dieser ist. Der Owner des Caches hat hier ausgemessen und war vielleicht sogar zweimal hier, hat das Listing erstellt, einen Behälter und ein Logbuch gekauft oder gemacht. Zeit, Arbeit und Geld, das er nicht hätte investieren müssen, aber es gemacht hat, weil er das Hobby dadurch am Leben erhält und anderen das Spielen ermöglicht! Und dann gibt’s ein „TFTC“ oder auch nur einen Smiley als Log. Ganz ehrlich? Am liebsten würde ich dann LMAA zurückloggen. Aber das wäre Zeitvergeudung! Dann gibt’s aber auch mittlerweile die Leute, die in Ihrer App einen ellenlangen Schwachsinn als Standard-Text hinterlegt haben wie Danke in 20 Sprachen oder ihr Statement zum Loggen oder einen schlauen Text oder irgendeinen vollkommenen Schwachsinn, der nichts mit Cachen zu tun hat. Warum macht man das? Weils wenig Arbeit macht und weil man noch dazu sogar ein Diamond-Badge für diesen Krampf bekommt, wenn man mehr als 100 Wörter pro Log schreibt. Alles nur noch egoistisch und Caches sind für manche Cacher nur noch Mittel zum Zweck bzw. zur Selbstdarstellung!

Respekt ist nun mal eine individuelle Haltung,
die nicht jeder sein eigen nennt,
die Guidelines nicht definieren
und Statistiken auch nicht festhalten können!

Warum loggt man eigentlich keinen „DNF“?

Auch so eine Sache, die mit der Mentalität zusammenhängt. Warum sollte man denn einen DNF loggen?!? Das gibt doch keine Punkte und kostet nur unnötige 20 Sekunden. Nein. Lieber lasse ich noch 5 oder 6 andere Cacher herfahren und da ist dann vielleicht einer dabei, der dann einen DNF loggt, weil er das Spiel verstanden hat. MITEINANDER heißt das Zauberwort! Entweder liegt es am „scheiß Ego“, weil man ja dadurch indirekt zugibt, dass man was nicht gefunden haben könnte, oder am akuten Zeitmangel, weil ja schon der nächste Cache in 161 Meter wartet, warum also dann einen DNF loggen?!? Weil ein DNF alle nachfolgenden Cacher schon mal aufhorchen lässt und weil der Owner weiß, dass bei einem oder 2 weiteren DNFs wohl doch was nicht stimmt und er reagieren kann!

Warum loggt man kein „Needs Maintenance“?

Tja auch so was. Stufe 1 ist ein DNF. Hierbei bleibts, wenn man nicht weiß, ob man falsch sucht, nichts sieht oder den Cache wo vermutet und nicht fündig wird. Eine Stufe höher ist der NM. Hier ist es offensichtlich, dass am Cache oder einer Station definitiv was nicht stimmt. Oder wenn das Logbuch im Final im Wasser schwimmt oder modrig ist und Loggen unmöglich ist. Das heißt ganz klar NM loggen. Auch hierzu sind manche zu faul oder zu feige oder was auch immer.

DNF und NM sind essenzielle Log-Typen, die das Spiel und vor allem den Spaß am Leben halten. Hätte man das nicht bzw. würde das niemand nutzen, läge bald nur noch Geo-Müll rum, um den sich keiner kümmert!

Warum ist das alles so geworden?

Weil Geocaching meiner Meinung nach (und immer mehr leben es so vor) zum Schwanzvergleich wird und man z.B. mit irgendwelchen sinnfreien Challenges mitteilen möchte, was man denn selbst so „kann“ und gemacht hat und es wurde echt Zeit, dass dieser Schwachsinn jetzt etwas eingedämmt wurde! (sehr amüsant dabei ist, das meistens genau die Leute ihre eigene Statistik verstecken, die solche Challenges legen und so drauf abgehen :-) ich vermute, sie haben Angst davor, dass ihnen mal eine Challenge vor die Tür gelegt wird, die sie nicht erfüllen können und genau deswegen wird die eigene Genitalverlängerung versteckt).

Sinnvolle Challenges gibt es sowieso wenig. Sinnvoll heißt für mich Qualität und nicht Quantität oder Wertung! Aufgrund dieser Statistikgeilheit ist es auch nicht mehr wichtig, auf einzelne Caches einzugehen, einzig und allein die Masse zählt! Und so bekommen die Owner dann auch dementsprechende Logs wie TFTC. Ist doch dem Finder egal, was das Zeit kostet oder was da dahinter steckt, Hauptsache seine Statistik passt und das mit möglichst wenig Aufwand! Und ich spreche hier nicht von Powertrails!

Powertrails sind meiner Meinung zwar nicht immer schön, gerade weil die Qualität oft nicht die beste ist, aber auch hier hat sich der Owner was dabei gedacht und Arbeit/Zeit/Geld investiert! Und ich logge hier auch Einheitstext, aber nicht nur TFTC oder so einen Müll. Und ein weiterer Gesichtspunkt, warum so ein Powertrail durchaus wichtig ist, ist die Tatsache, dass man dadurch Favoritenpunkte sammelt, die man für Qualitäts-Caches vergeben kann!

Und wenn man dann mitbekommt, wie manche Cacher mit Caches umgehen, das fängt schon damit an, dass sie sie nicht so zurücklegen, wie es angedacht war! Oder man versucht, etwas abzubauen oder abzumontieren, oder etwas gewaltsam zu öffnen, nur um an das Logbuch zu kommen und dort seinen Namen reinschreiben zu können. Mit Respekt hat das schon lange nichts mehr zu tun. Es zählt bei vielen nur noch das „Ich“ und das deren Name ein Begriff ist und jeder weiß, wer gemeint ist. Auch ich habe mich schon dabei ertappt, etwas zu tun, was man eigentlich nicht machen sollte!


Ja – auch ich habe mich als Geocacher verändert!

Ja… also wenn man jetzt schon einen Rundumschlag macht, muss man auch vor seiner eigenen Haustür kehren. Ich habe mich auch verändert, das kann und will ich nicht wegreden und ich finde es auch gut, dass man sich verändert bzw. anpasst an den Zahn der Zeit. Aber man muss sich ab und an auch besinnen und mal in sich gehen und selbst nachhorchen, ob das alles noch ok ist, was man so macht. Für sich und für andere!

Ja ich mache auch Powertrails mit Tradis und kaum Multis, weil am Ende des Tages dann „nur“ wenige Punkte aufm Konto wäre; anders als bei vielen Tradis. ABER ist es ein Multi, der schöne Stationen hat oder einfach nur kurzweilig ist, ist mir sowas auch viel lieber, als eine Reihe von PET-lingen, die halt da liegen, weil sie da liegen…

Ja, ich schaue auch auf Statistik, aber nicht weil ich damit angeben will (das könnte ich mit meiner Matrix oder was auch immer sowieso nicht! J ), sondern weil ich einfach Statistiken und Zahlen mag und mir damit immer so ein kleines Ziel setze, das ich einfach erreichen will. Und wenn das Ziel dann ein Jahr dauert, mein Gott, dann dauert es ein Jahr. Und wenns mal kein Ziel mehr gibt, auch schön, dann hat man vielleicht wieder mehr von anderen Dingen im Leben! :-)

Ja, ich mache auch ab und an FTFs bzw machts Spaß, gelegentlich diesen kleinen Kick zu verspüren, schneller zu sein als andere oder der erste bei was zu sein, oder einfach nur die verrückte Aktion, sich zu verabreden und dann die Bestätigung zu haben „haben wir gut gemacht“… Aber wenn es dann nichts wird, ist das auch ok, war halt ein andere schneller und freut sich :-) und wenn ich grad frühstücke und es bimmelt, dann frühstücke ich zu Ende und schau mir erst später an, was da rauskam.

Ja, auch ich plane Touren mit mehreren Caches pro Tag, um vielleicht die Homezone zu „reinigen“ oder um ein paar mehr Caches zu haben, die auf dem Weg liegen, aber auch hier versuche ich, auf jeden einzelnen Cache einzugehen bzw auf jeden Owner. Ja, ich lese bei jedem Cache, ob der Cache zu einem Trail gehört oder wer der Owner ist und behandle den Cache dementsprechend!

Ja ich mache auch ab und an verrückte Cache-Touren, aber versuche trotzdem, diese so sinnvoll wie möglich gestalten! Soll heißen, ich bleibe länger in der Ecke und nehme mir ein Hotelzimmer und schau mir auch die Gegend näher an oder ich schaue, die verrückte Tour wenigstens annähernd sinnvoll zu machen, wie auch immer! Ihr könnte gerne Leute fragen, mit denen ich schon Touren geplant habe. Die waren immer sehr zufrieden, egal wie verrückt die Tour auch war :-)

Ja, ich schaue auch immer mehr auf Qualität (viele Favos / gute Logs / …), vergesse aber nie, dass jeder einzelne Cache für den, der ihn gelegt hat, etwas Besonderes ist. Sollte das bei einem eurer Caches übrigens nicht so sein, ab ins Archiv damit!

 

Abschließend will ich noch sagen, dass natürlich jeder das machen kann und auch soll, was er für richtig hält. Ich habe hier lediglich meine Meinung geschrieben! Aber dieses Hobby lebt immer noch vom Miteinander und wenn es so weiter geht, wird Geocaching in seiner schönen Form wohl nicht mehr lange existieren und die Menschen mit einem ausgeprägterem Werte-Verständnis werden sich wohl zurückziehen. Wäre nicht das erste Mal, dass ich genau davon höre?!

2 Kommentare

  1. Hallo Jörg,
    danke für deinen Kommentar. Leider kam ich erst jetzt dazu, überhaupt drauf zu antworten, war viel unterwegs und habs immer vor mir her geschoben. Ja das stimmt schon, dass das bei vielen “Oldies” vermutlich eine leichte Ablehnung hervorruft. Aber verlier bitte nie den Spaß am Geocaching, denn wenn du es machst wie du sagst, dann macht es auch weiterhin Spaß.

    Viele Grüße aus der Oberpfalz nach Hessen ins schöne Limburg an der Lahn,
    Toni aka Cacher-Done :-)

  2. Klasse Artikel! Auch wir haben vor über 10 Jahren mit diesem an und für sich schönen Hobby angefangen und die gleichen Tendenzen beobachtet wie Du. Vielleicht ist auch deshalb die große Leidenschaft fürs Cachen bei uns ein wenig gewichen.

    Aber man kann sich ja zum Glück immer noch das heraussuchen, was man wirklich gerne macht. Und so halten wir es. Lieber mal einen schönen Wandermulti als einen Powertrail.

    Beste Grüße aus Limburg an der Lahn, Jörg (Geocaching JoergTh)

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